Gürtel richtig tragen
Es gilt uns geradezu als unfein, ohne Gürtel aus dem Haus zu gehen. Als eiserne Grundregel gilt: alles, was Gürtelschlaufen hat, wird auch mit Gürtel getragen. Mit dem richtigen natürlich. Nur manche Vertreter klassischer Herrenmode schwören nach wie vor eher auf Hosenträger und lehnen den Gürtel als untraditionell ab. Dabei hat er als klassisches Statussymbol und Wehrgehänge eine Tradition, die weit länger ist als die jedes Savile-Row-Hosenträgers. Der Grund für die Skepsis der englischen Schneider gegenüber dem Leibriemen ist ein anderer: Beim Tragen eines Gürtels kann man tatsächlich etwas falsch machen.
Natürlich wird jeder, der sich nur ein wenig mit Stil befasst hat, nicht mehr den Fehler machen, einen schwarzen Gürtel zu braunen Schuhen zu tragen. Idealerweise sind sogar Uhrenarmband und Aktentasche darauf abgestimmt. Aber die richtige Farbwahl alleine macht es noch nicht.
Der häufigste Fehler ist, Gürtel in der falschen Länge zu kaufen. Ein zu kurzer Gürtel betont das – reale oder nur eingebildete – Übergewicht seines Trägers. Der Gürtel sollte hinter der Gürtelschlaufe ein Stück hervorragen, idealerweise gerade so viel, dass er sich in die erste Gürtelschlaufe schieben lässt. Länger sollte er allerdings auch nicht sein: wenn Sie ihn meilenweit um den Körper wickeln, verleiht er Ihnen einen unbeholfenen Look.
Auch wenn offenbar manche Zeitgenossen anderer Meinung sind, Gürtel gibt es in verschiedenen Größen. Hierzulande wird meist die Länge angegeben, die also ein paar gute Zentimeter über dem Bauchumfang liegen sollte. Wenn Sie den Gürtel im Geschäft kurz anprobieren können, um so besser. Manche Modelle lassen sich auch unproblematisch kürzen. Leider sind diese eigentlich ganz praktischen schraub- oder klemmbaren Gürtel eher im Billigsegment zu finden.
Etwas anders ist die Lage bei Koppeln, breiten Militärgürteln oder Stoffgürteln. Die kürzt man meist auf die richtige Länge und bringt anschließend die Schnalle wieder an. Praktisch, aber leider nicht zum Anzug geeignet.
Wo wir gerade bei Gürtelgrößen sind: Vermeiden Sie, den Gürtel ein Loch enger zu schnallen, um schlanker zu wirken. Das verleiht Ihnen selbst dann höchstens den Charme eines Sumoringers, wenn Sie eigentlich gerade mal ein paar Kilo auf die Waage bringen. Lassen Sie den Leibriemen ruhig etwas lockerer, dann wirken Sie etwas weniger korpulent. Wirklich.
Hat der Gürtel erst einmal die richtige Länge, wartet schon der nächste Fallstrick: die Gürtelschnalle. Meist ist sie aus Metall und sollte mit der Armbanduhr und gegebenenfalls dem Brillengestell abgestimmt werden. Zudem gilt als Faustregel: Je größer die Schnalle ist, desto weniger förmlich ist der Gürtel. Breite, schwere Zierschnallen können unter Umständen zu Jeans gut aussehen. Zum dunklen Anzug mit der konservativ gestreiften Krawatte sollte es ein schmales gold- oder silberfarbenes Modell sein.
Stoffgürtel? Flechtleder? Ausgefallene Farben? Ja, gerne. Vorausgesetzt, es geht um Freizeitgarderobe und passt zu Ihrem Stil. Lassen Sie nur die Finger von blitzenden, blinkenden Juwelenimitaten, als Mann zumindest. Keine witzigen Comicmotive oder gar leuchtende LED-Schriften, keine übergroßen Markennamen. Der einzige Gürtel, der dem Betrachter seine Marke ins Gesicht schreien darf, ist der mit dem charakteristischen H als Schnalle. Und selbst der wirkt immer ein wenig angeberisch.
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